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Bedretto
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Bedretto (tess.: BĂźdree) ist eine politische Gemeinde im Kreis Airolo, Bezirk Leventina des Schweizer Kantons Tessin.
Contents
⢠Immobilien
⢠BevÜlkerung
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geographie und Geologie
Bedretto liegt westlich von Airolo im Val Bedretto. Zur politischen Gemeinde Bedretto gehĂśren die Ortschaften Ossascocite-ref-5[5], Villa (dt. frĂźher Romig oder Romegg), Bedretto, Ronco und AllâAcqua. Das Gemeindehaus steht in Villa. AllâAcqua ist im Winterhalbjahr nicht bewohnt. FrĂźher waren auch die Weiler Orello und Nostengo oberhalb von Villa Bedretto besiedelt.
Die politische Gemeinde Bedretto grenzt unmittelbar an die Gemeinde Realp im Kanton Uri und an die Gemeinde Obergoms (bis 2009 Ulrichen und Oberwald) im Wallis in der Deutschschweiz sowie an die Gemeinden Airolo, Cevio und Lavizzara im Kanton Tessin und Formazza in der Region Piemont in Italien, welche ßber den Passo San Giacomocite-ref-6[6] erreichbar ist. Sßdlich des Witenwasserenstocks findet sich ein Dreikantonseck (Tessin, Uri und Wallis) (wasserscheidepunkt-am-witenwasserenstock-dreikantoneeck-ti-ur-vs46.52768.4776). Während der Eiszeit floss der Griesgletscher vom Wallis ßber den Cornopass (2485 m ß. M.) ins hintere Bedrettotal (Val Corno). Das Wasser des Griesstausees (2386 m ß. M.) wird ßber Druckleitungen, die zum System der Maggia Kraftwerke gehÜren, via Bedrettotal bis zum Lago Maggiore (193 m ß. M.) geleitet.
1918 erteilte der Kanton Tessin die Genehmigung zum Abbau des Baukalkvorkommens auf der Alp Manió. Während und nach dem Ersten Weltkrieg bezog auch die Schweizer Industrie diesen Kalk, die ihn wegen des ungenßgenden Reinheitsgrades vorher kaum berßcksichtigt hatte. Auf der Alp Cavanna (2020 m ß. M.) bestand ein Specksteinbruch. Der Serpentin des Tals (Antigorit) ist grßnlich. Der Rotondogranit ist bei Kletterern bekannt, weil er wegen der HÜhe und Sßdlage flechtenfrei ist.
Ortschaften der Gemeinde Bedretto
Geschichte und Verkehr
VorrÜmische Gräber (Villa) und rÜmische Mßnzenfunde (Bedretto) weisen auf eine frßhe Besiedelung hin. Bedretto wird 1210 erstmals urkundlich als Bedoledo, 1457 als Bedreudo erwähnt. Als 1227 die Alpen der Talschaft Leventina aufgeteilt wurden, erscheint Bedretto als Nachbarschaft und selbständige Pfarrei. Das Tal trennte sich vermutlich vor 1277 von Airolo. 1567 besass es 38 Haushalte (Herdstellen). 1594 wurde die Pfarrkirche Martiri Maccabei in Villa nach einem Lawinenniedergang neu aufgebaut.cite-ref-7[7]
Vom Hospiz in AllâAcqua fĂźhrten zwei wichtige Saumpfade Ăźber den Nufenenpass ins Oberwallis und Ăźber den San-Giacomo-Pass, wo das 1405 erwähnte Hospiz San Nicolao im Val d'Olgia stand, ins italienische Formazzatal. Im steilen Bedrettotal kommt es im Winter häufig zu Lawinenniedergängen, und die Verbindungen zwischen den DĂśrfern und Airolo sind oft abgeschnitten. Das Dorf hatte oft unter Lawinen zu leiden, unter anderem am 16. und 17. Januar 1594, als die Pfarrkirche und mehrere Häuser zerstĂśrt wurden, am 6. und 7. Februar 1749 (ZerstĂśrung von Ossasco), am 11. Januar 1863 (Tod von 29 Personen); im Lawinenwinter 1951 musste das ganze Tal evakuiert werden. Mächtige Lawinenverbauungen haben die Situation verbessert. Seit 1924 gibt es eine Fahrstrasse von Airolo nach Bedretto, seit 1932 bis Ronco und seit 1964 Ăźber den Nufenenpass.
Die Nähe der italienischen Grenze am San-Giacomo-Pass zur Gotthardfestung fĂźhrte 1939â1945 oberhalb von AllâAcqua zum Bau der Sperrstelle San Giacomo mit dem Artilleriewerk Grandinagia, dem Infanteriewerk San Giacomo, der Artilleriestellung Manegorio und den Militärseilbahnen AllâAcqua-Winkelstation Z307-Grandinagia Z313-San Giacomo Z308 sowie AllâAcquaâRotondo SB163.cite-ref-8[8]
Von Ossasco (noch vorhandene Talstation am Dorfausgang) wurde anfangs der 1940er-Jahre die 4550 Meter lange Militärseilbahn Z305/306 via Umlenkstation Alp Cassinello (2130 m ß. M.) mit einem kurzen Tunnel auf der Bassa di Folcra (2560 m ß. M.) und hinunter ins Val Torta (2350 m ß. M.) errichtet, um dort die Truppen zu versorgen, die sich gegen feindliche VorstÜsse ßber den Naret- oder Cristallinapass zu verteidigen hatten. Die Bahn wurde 1983 abgebrochen. Auf der Bassa di Folcra befinden sich Reste des Seilbahntunnels.cite-ref-9[9]
Beim Bau des wintersicheren Furka-Basistunnels wurde 1977 von der Tunnelmitte nach Ronco ein Stollen erstellt, das sogenannte Bedretto-Fenster, weil ursprĂźnglich eine zweite Tunnelverbindung zwischen Oberwald und Ronco geplant war. Seit 1982 ist der Stollen stillgelegt.
FrĂźher hatte jede Ortschaft eine eigene Primarschule. 1960 wurde in Bedretto eine Gesamtschule erĂśffnet, und heute besuchen die wenigen SchĂźler den Unterricht in Airolo.
Bedretto war in den ältesten Urkunden eine selbstständige Gemeinde und Pfarrei. Als die Alpen der Talschaft Leventina 1227 aufgeteilt wurden, bildete Bedretto eine Nachbarschaft, erhielt jedoch als einzige keine Alp fĂźr sich alleine. Die moderne GrĂźndung stammt aus dem Jahr 1761 mit den Ortsteilen Ossasco, Villa, Ronco und AllâAcqua.
Bedretto bildet nach wie vor eine eigenständige Bßrgergemeinde.cite-ref-10[10]
Immobilien
⢠Cios Prato (1572 m ß. M.)
⢠Valleggia (1753 m ß. M.)
Alpwirtschaft und Besitzer
⢠Cioss Prato (1572 m ß. M.) (Bßrgergemeinde Bedretto)
⢠Valleggia (1753 m ß. M.) (Bßrgergemeinde Bedretto)
⢠Manegorio (Bßrgergemeinde Sobrio)
⢠Formazzora (1652 m ß. M.) (Alpgenossenschaft Tarnolgio von Mairengo)
⢠Cruina (2002 m ß. M.) (Alpgenossenschaft Osco)
BevĂślkerung
Heute zählt die Gemeinde Bedretto nur noch wenige Einwohner, zum grÜssten Teil Pensionierte. Da das Tal nur wenig ArbeitsmÜglichkeiten bietet und ßberdies in den Wintermonaten oft gänzlich von der Aussenwelt abgeschnitten ist, verlassen die meisten jungen Menschen das Tal. Gemäss der Volkszählung, die vom Bundesamt fßr Statistik im Jahr 2000 durchgefßhrt wurde, ist Bedretto die älteste Gemeinde der Schweiz, indem sie den hÜchsten Anteil an ßber 65-jährigen in der BevÜlkerung aufweist. Allerdings scheint sich die Einwohnerzahl seit der Jahrtausendwende zu stabilisieren.
Die Einwohner der Gemeinde Bedretto werden in der Leventina ParĂźsch genannt.
Wirtschaft und Tourismus
Das Tal lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft (Viehzucht, Alp- und Milchwirtschaft, Kartoffel- und Roggenanbau). Viele Bewohner mussten saisonal in Italien und Frankreich als Marronibrater, Kellner oder Hausdiener Arbeit suchen oder auswandern.
In den 1950er- und 1960er-Jahren bauten die Maggia Kraftwerke in zwei Etappen eine Wasserkraftanlage mit Wasserstollen, die vom damals hĂśchstgelegenen Speichersee der Schweiz, dem Griessee, bis zur Kraftwerkzentrale Verbano bei Brissago am Lago Maggiore fĂźhren. Im Bedrettotal wurde der Zuleitungsstollen Gries-Bedretto-Robièi mit den Fenstern Cruina und Stabbiascio sowie den Fassungen der Bäche Cavagnolo, Val d'Olgia und San Giacomo erstellt. Die Konzession der Anlage Maggia 1 (Sambuco, Peccia, Cavergno, Verbano) dauert bis zum Jahr 2035, diejenige von Maggia 2 (CavagnÜÜ-Naret, Robièi, Bavona) bis 2048. FĂźr den Ausbau der Maggia Kraftwerke gab es eine â heute stillgelegte â Kraftwerkbahn von AllâAcqua nach Stabbiascio. Am 15. Februar 1966 ereignete sich in der Galerie Stabbiascio/Robièi das schlimmste GrubenunglĂźck im Kanton Tessin. 15 italienische Bergarbeiter und zwei Feuerwehrmänner aus Locarno wurden durch Giftgas im Tunnel getĂśtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entvÜlkerte sich das Tal. In den Sommermonaten wird es heute durch die Rßckkehr Einheimischer und den Zustrom von Touristen und Feriengästen wieder belebt. Touristische Stßtzpunkte sind die SAC-Hßtten Corno Gries, Piansecco und Cristallina.
SehenswĂźrdigkeiten
Siehe auch
:
Liste der KulturgĂźter in Bedretto
Das Dorfbild ist im Inventar der schĂźtzenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schĂźtzenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]
⢠Pfarrkirche Santi Maccabei im Ortsteil Villa, der polygonale Kirchturm dient auch als Lawinenbrechercite-ref-martinoli-15-0[15]
⢠Wohnhaus Rossicite-ref-martinoli-15-1[15]
⢠Osteria Novenacite-ref-martinoli-15-2[15]
⢠Im Ortsteil AllâAcqua: Ospiz-Gasthofcite-ref-martinoli-15-3[15]
⢠Festungen San Giacomocite-ref-16[16]
PersĂśnlichkeiten
⢠Raffaele Forni (1906â1990), Priester, Erzbischof und Diplomat des Heiligen Stuhls
⢠Giorgio Orelli (1921â2013), Schriftsteller, Literaturkritiker und Ăbersetzer
⢠Giovanni Orelli (1928â2016), Schriftsteller, Dozent und Dichter
⢠Diego Orelli (* 1934 in Bedretto), Gastwirt, Gemeindepräsident von Bedretto
⢠Renato Leonardi (* 1945 in Bedretto), Dozent, Dichter, ehemaliger Mittelschuldirektor, Präsident der Ortsbßrgergemeinde Bedrettocite-ref-18[18]
Literatur
⢠Piero Bianconi, Arminio Janner: Ossasco, AllâAcqua und Bedretto. In: Arte in Leventina. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1939, S. 64, 65, 87.
⢠Piero Bianconi (Hrsg.): Bedretto. In: Inventario delle cose dâarte e di antichitĂ . Le Tre Valli Superiori. Leventina, Blenio, Riviera. Grassi & Co., Bellinzona 1948, S. 18.
⢠Mario Fransioli: Bedretto. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. Januar 2021.
⢠Ottavio Lurati: Terminologia e usi pastorizi di val Bedretto. Società svizzera per le tradizioni populari, Basel 1968.cite-ref-19[19]
⢠Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, (Ronco) S. 263.
⢠Simona Martinoli u. a.: Guida dâarte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft fĂźr Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 148.
⢠Celestino Trezzini: Bedretto In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2, Basel â Berikon, Attinger, Neuenburg 1924, S. 69 (Digitalisat), (abgerufen am 8. Juni 2017).
⢠Marco Volken: Leventina und Bedrettotal: Ursprung des Tessin. Salvioni Editore, Bellinzona 2001.cite-ref-20[20]
Weblinks
Commons
: Bedretto
â Sammlung von Bildern
⢠Website der Gemeinde Bedretto
⢠Bundesamt fßr Kultur: Bedretto im Inventar der schßtzenswerten Ortsbilder der Schweiz (italienisch)
⢠Amt fßr Statistik des Kantons Tessin: Bedretto (italienisch)
⢠Bedretto auf der Plattform ETHorama
⢠Bedretto: Kulturgßterinventar des Kantons Tessin
⢠Website der Ortsbßrgergemeinde Valle Bedretto (italienisch) auf bedretto.ch/
⢠Offizielle Website der Pro Bedretto (italienisch) auf bedretto.ch/
⢠Centro di dialettologia e di etnografia Bellinzona: Pigne-See, Bedretto, Bedrettotal
⢠Ehemalige Kraftwerk Pendelbahn AllâAcquaâStabbiascio, Oktober 2010
Einzelnachweise
cite-note-11. Geographische Kennzahlen â Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt fĂźr Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-22. Geographische Kennzahlen â Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt fĂźr Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-33. Bilanz der ständigen WohnbevĂślkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991â2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt fĂźr Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
cite-note-44. Ständige und nichtständige WohnbevÜlkerung nach institutionellen Gliederungen, StaatsangehÜrigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
cite-note-55. â Ossasco auf ETHorama
cite-note-66. â Mario Fransioli: Passo di San Giacomo. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 7. Oktober 2009.
cite-note-77. â Mario Fransioli: Bedretto. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. Januar 2021.
cite-note-88. â Z307 AllâAcqua, Airolo Val Bedretto. In: Bundesamt fĂźr Kultur (Hrsg.): Schweizer Seilbahninventar. 2011 (deutsch, franzĂśsisch, italienisch, seilbahninventar.ch).
cite-note-99. â Hans Richard, JĂźrg Keller: Militärseilbahnen/TĂŠlĂŠfĂŠriques militaires. Verein Historische Militäranlagen Freiburg/Bern, Jahresheft 2016
cite-note-1010. â Patriziato di Bedretto (mit Fotos) auf bedretto.ch/patriziato
cite-note-1111. â Martin Schuler: Cantone Ticino â Lâeffettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt fĂźr Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 11. Februar 2025.
cite-note-1212. â Daten der EidgenĂśssischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt fĂźr Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 11. Februar 2025 (Ăffnung in Excel nur Ăźber "Anhang/Excel-Datensatz" mĂśglich).
cite-note-1313. â Bundesamt fĂźr Kultur: Bedretto im Inventar der schĂźtzenswerten Ortsbilder der Schweiz (italienisch)
cite-note-1414. â Villa (Bedretto). In: ISOS - Bundesinventar der schĂźtzenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Bundesamt fĂźr Kultur BAK, 2003, abgerufen am 11. Februar 2025 (italienisch).
cite-note-martinoli-1515. â Simona Martinoli u. a.: Guida dâarte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft fĂźr Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 148.
cite-note-1616. â Festungen San Giacomo (mit Fotos) auf forti.ch, abgerufen am 26. Juli 2015.
cite-note-1717. â Arnoldo Borelli auf sik-isea.anton.ch/actors (italienisch)
cite-note-1818. â Renato Leonardi Schuldirektor (Foto) (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)
cite-note-1919. â Ottavio Lurati: Terminologia e usi pastorizi di val Bedretto. in portal.dnb.de (abgerufen am: 3. Mai 2016.)
cite-note-2020. â Marco Volken: Leventina und Bedrettotal: Ursprung des Tessin. in portal.dnb.de (abgerufen am: 3. Mai 2016.)